Halle

Palais du Centenaire

Moderation

Viktor Laszlo

Wertung

11 Juror*innen pro Land bewerten jedes Lied, die ersten zehn Titel bekommen die Punkte 12-10-8-7…3-2-1

Teilnehmer

22 Länder

Sieger

Irland

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

Finale
20. Irland
Irland Johnny Logan Hold Me Now
172 1.
16. Deutschland
Deutschland Wind Lass die Sonne in dein Herz
141 2.
7. Italien
Italien Umberto Tozzi & Raf Gente di mare
103 3.
21. 🇯🇬
Jugoslawien Novi Fosili Ja sam za ples
92 4.
12. Niederlande
Niederlande Marcha Rechtop in de wind
83 5.
17. Zypern
Zypern Alexia Aspro-mavro
80 7.
2. Israel
Israel Datner & Kushnir Shir habatlanim
73 8.
1. Norwegen
Norwegen Kate Mitt liv
65 9.
11. Griechenland
Griechenland Bang! Stop
64 10.
5. Belgien
Belgien Liliane St. Pierre Soldiers of Love
56 11.
6. Schweden
Schweden Lotta Engberg Boogaloo
50 12.
14. Vereinigtes Königreich
Vereinigtes Königreich Rikki Only The Light
47 13.
15. Frankreich
Frankreich Christine Minier Let mots d'amour n'ont pas de dimanche
44 14.
18. Finnland
Finnland Vicky Rosti Sata salamaa
32 15.
4. Island
Island Halla Margrét Haegt og hljótt
28 16.
22. Schweiz
Schweiz Carol RIch Moitié moitié
26 17.
8. Portugal
Portugal Nevada Neste barco à vela
15 18.
9. Spanien
Spanien Patricia Kraus No estas solo
10 19.
3. Österreich
Österreich Gary Lux Nur noch Gefühl
8 20.
13. Luxemburg
Luxemburg Plastic Bertrand Amour-amour
4 21.
10. Türkei
Türkei Seyyal Taner & Locomotif Sarkim sevgi üstüne
0 22.
19. Dänemark
Dänemark Bandjo & Anne Cathrine Herdorf En lille melodie
19 83.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Am 30. Jahrestag der EG-Gründung ging der ESC 1987 in Brüssel über die Bühne. 22 Nationen kamen in die Hauptstadt der Europäischen Union, um dieses Doppel-Ereignis mitzufeiern. Aus dem Sieben-Länder-Wettbewerb entwickelte sich der Song Contest zu dem größten Musikevent des Jahres – trotz des mangelnden Interesses der Medien und des Musikmarktes und trotz der Krisen, die von Zeit zu Zeit auftraten. Auch das niedrige Niveau der diversen Beiträge in den letzten Jahren schien kein Hindernis für die Fernsehanstalten der beteiligten Länder zu sein. Eine neue Rekordzahl an Teilnehmern wurde aufgestellt, auch, weil kein Land fehlte. Das wallonische Fernsehen RTBF hatte 1986 mit Sandra Kim gewonnen, turnusmäßig aber stellte der flämische Sender BRT den Vertreter 1987. BRT wollte eigentlich gern auch an der Organisation beteiligt werden, aber das wurde von RTBF abgelehnt.

Die bekannteste Popsängerin Belgiens Viktor Lazlo – in Deutschland bekannt durch ihr Duett mit Stefan Waggershausen „Das erste Mal tut‘s noch weh“ – übernahm die Rolle der Gastgeberin, aber ihr Erscheinungsbild konnte ihre eher brave und ruhige Moderation nicht aufpeppen. Auch das belgische Publikum schien das ganze Spektakel nicht so ins Herz geschlossen zu haben. 

Viktor Lazlo, eigentlich Sonia Dronier, wählte ihren Künstlernamen in Anlehnung an den fiktiven Widerstandskämpfer Victor László aus dem Film „Casablanca“ mit Humphrey Bogart. Ihre Eltern stammten aus der Karibik. Sie studierte in Belgien und arbeitete als Model. In einem Nachtclub entdeckte sie ein Musikproduzent, der ihre erste Single „Casanova“ produzierte. Ihr Debütalbum war auch in Deutschland und Japan erfolgreich. Ihren größten Hit „Breathless“ sang sie beim ESC-Finale.  1994 sang sie mit Juliane Werding und Maggie Reilly gemeinsam „Engel wie du“. Sie arbeitete auch als Schauspielerin. Ihr Album „Woman“ erschien 2017.

FAZIT

Kate aus Norwegen eröffnete den Wettbewerb. Sie sang über ihr Leben („Mitt Liv“), was aber nicht so aufregend war. Sie wurde nur Neunte. Rolf Løvland, Komponist des Siegertitels von 1985, schrieb die Musik dieses Beitrags. Der Text stammte von Hanne Krogh, Mitglied des Duos Bobbysocks.

Während die israelischen Vertreter Datner & Kushnir sich sehr witzig präsentierten, setzten die Österreicher auf Bewährtes: eine traurige Ballade und einen Interpreten mit enormer ESC-Erfahrung. Denn für Gary Lux war es bereit die vierte Teilnahme: 1983 noch als Mitglied der Gruppe Westend und 1984 im Chor von Anita, trat er 1985 und auch 1987 als Solist auf. Ursprünglich sollte er mit der eigenen Komposition „Träume der Zukunft“ in Brüssel antreten. Die Verantwortlichen des ORF entschieden jedoch, das Lied “Nur noch Gefühl“ ins Rennen zu schicken. Der sonst stimmsichere Gary verpatzte einige Passagen seines Songs, so dass der Titel zum Schluss nur 8 Punkte, 7 davon aus Griechenland, bekam.

Umberto Tozzi & Raff aus Italien waren um einiges erfolgreicher. Mit einer melancholischen Popballade im italienischen Stil sangen sie über die Sehnsüchte der Leute am Meer („Gente di mare“). Umberto Tozzi, bekannt durch Songs wie “Ti amo“ oder “Gloria“, und Raf („Self Control“) bekamen fünfmal die höchste Wertung und landeten auf einem hervorragenden dritten Platz.

Die meisten Länder gingen in diesem Jahr mit poppigen Songs ins Rennen. Liliane Saint Pierre sang für die Gastgeber “Soldiers of Love“, Patricia Kraus aus Spanien sagte „Du bist nicht allein („No estás solo“), die griechische Band Bang! sang “Stop“ und der luxemburgische Vertreter Plastik Bertrand sang über die Liebe („Amour, amour“).

Carol Riche aus der Schweiz war nicht in der Lage, das gute Ergebnis des vorigen Jahres zu wiederholen. Alexia aus Zypern sang „Aspro-mavro“ (Schwarz-weiß) und war bei ihrer zweiten Teilnahme genauso erfolgreich wie 1981 als Mitglied der Gruppe Island.

Die finnische Sängerin Vicky Rosti musste um ihre Teilnahme wegen eines Streiks des staatlichen Fernsehens bangen. Als Mitfavoritin war es eine doppelte Belastung. Einen Tag vor dem Finale entschieden die Verantwortlichen des finnischen Fernsehsenders YLE, den Song Contest doch live zu übertragen. Vicky trat trotzdem ziemlich nervös auf, und sie landete mit dem rockigen Titel “Sata Salamaa“ (Feuer in der Nacht) auf Rang 15.

Lotta Engberg aus Schweden musste auch einige Probleme bewältigen. Ihr Titel “Fyra bugg och en Coca-Cola“ (vier Kaugummi und eine Coca-Cola) musste nach EBU-Vorschrift geändert werden, denn er konnte als Schleichwerbung gelten. In Brüssel sang sie zwangsweise “Boogaloo“. Lotta Engberg war vierzig Tage vor dem Finale Mutter geworden.

Für Deutschland startete zum zweiten Mal die Gruppe Wind, diesmal aber mit Andreas Lebbing als Sänger.  Für “Lass‘ die Sonne in dein Herz“ ließen die Juroren so viele Punkte fallen, dass es wieder für den zweiten Platz, wie auch 1985, reichte. Ein unerwarteter, aber toller Erfolg für die Gruppe Wind.

Der Sieg der Gruppe Wind wurde verhindert durch den Mann, der schon 1980 Katja Ebstein in Den Haag im Wege stand: Johnny Logan aus Irland. In den sechs Jahren nach seinen ersten Sieg versank er in einem künstlerischen wie auch privaten Tief. 1984 verpasste sein Schützling Linda Martin beim ESC in Luxemburg  knapp den Sieg. Der 32-jährige Johnny Logan, bürgerlich Seán Patrick Michael Sherrard O’Hagan, reiste um die ganze Welt, bevor sich seine Eltern in Australien endgültig niederließen. Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Elektriker, er vergaß aber nie seine Vorliebe für die Musik. Mit 20 entschloss er sich, in seine irische Heimat zurückzukehren. Er studierte Pantomime. Bei einem Talentwettbewerb konnte er für Aufmerksamkeit sorgen. Daraufhin bekam er die Hauptrolle in dem Rock-Musical “Adam & Eve“. 1980 gewann er den Song Contest in Den Haag – Gleiches wünschte er sich auch 1987. Den Song “Hold Me Now“ betrachtete er als sehr persönlich, und er sollte ihm zu seinem Comeback verhelfen. Desto größer war seine Anspannung während der Punktevergabe. Johnny Logan machte den Eindruck, es ginge um Leben und Tod. Das Champagnerglas war ihm nicht aus der Hand zu nehmen. Und dann die Erlösung: Johnny Logan gewann als einziger Interpret zum zweiten Mal den Song Contest. Er stand emotional so stark unter Druck, dass es ihm sehr schwer fiel, seinen Titel nach der Siegerehrung noch einmal vollständig vorzutragen. Ein Bild, das wir sicherlich nie vergessen werden, wie auch sein Dank an Gott : „Thanks God!“

 DIE TEILNEHMENDEN

1.
Norwegen Kate „Mitt liv“
M.: Rolf Løvland
T.: Hanne Krogh
D.: Terje Fjaern
2.
Israel

Datner & Kushnir „Shir habatlanim“
M. & T.:
Zohar Laskov
D.: Kobi Oshrat
3.
Österreich

Gary Lux ”Nur noch Gefühl“
M.: Kenneth Westmore
T.: Stefanie Werger
D.: Richard Österreicher
4.
Island

Halla Margret „Haegt og hljott“
M. & T.:
Valgeir Gudjonsson
D.: Hjalmar H. Ragnarsson
5.
Belgien
Liliane St.Pierre „Soldiers of Love“
M.: Liliane Keuninckx,
Gyuri Spies,
Marc de Coen
T.: Liliane Keuninckx
D.: Freddy Sunder
6.
Schweden

Lotta Engberg „Boogaloo“
M.: Mikael Wendt
T.: Christer Lund
D.: Curt-Eric Holmquist
7. Italien Umberto Tozzi & Raf „Gente di mare“M.: Umberto Tozzi,
Raf Riefoli
T.: Giancarlo Bigazzi
D.: Gianfranco Lombardi
8. Portugal

Nevada „Este barco a vela“
M.: Alfredo Azinheira,
Jorge Mendes
T.: Alfredo Azinheira
D.: Jaime Oliveira
9.
Spanien

Patricia Kraus "No estas solo"
M.: Rafael Martinez,
Rafael Trabucchelli
T.: Patricia Kraus
D.: Eduardo Leiva
10.
Türkei

Seyyal Taner &
Locomotif
„Sarkim sevgi üstüne„

M. & T.::
Olcayto Ahmet Tugsuz
D.: Garo Mafyan
11.
Griechenland

Bang! "Stop"
M. & T.:
Thanos Kalliris,
Vassilis Dertilis
D.: George Niarchos
12. Niederlande

Marcha "Rechtop in de wind"
M. & T.:
Peter Koelewijn
D.: Rogier van Otterloo
13.
Luxemburg

Plastic Bertrand "Amour-amour"
M. & T.:
Roger Jouret,
Alec Mansion
D.: Alec Mansion
14.
Ver. Königreich

Rikki „Only The Light“
M. & T.:
Richard Peebles
D.: Ronnie Hazlehurst
15.
Frankreich

Christine Minier "Les mots d'amour
n'ont pas de dimanche"
M.: Marc Minier
T.: Gerard Curci
D.: Jean-Claude Petit
16.
Deutschland

Wind "Lass die Sonne
in dein Herz"
M.: Ralph Siegel
T.: Bernd Meinunger
D.: Laszlo Bencker
17. Zypern

Alexia "Aspro-mavro"
M.: Andros Papapavlou
T.: Maria Papapavlou
D.: Jo Carlier
18.
Finnland

Vicky Rosti "Sata salamaa"
M.: Petri Laaksonen
T.: Veli-Pekka Lehto
D.: Ossi Runne
19.
Dänemark

Bandjo &
Anne Cathrine Herdorf
„En lille melodie“
M.: Helge Engelbrecht
T.: Jacob Jonia
D.: Hendrik Krogsgaard
20.
Irland

Johnny Logan "Hold Me Now"
M. & T.:
Sean Sherrard
(Johnny Logan)
21. Jugoslawien

Novi Fosili "Ja zam sa ples"
M.: Rajko Dujmić
T.: Stevo Cvikić
D.: Nikica Kalogjera
22.
Schweiz

Carol Rich "Moitié, moitié"
M. & T.:
Jean-Jacques Egli
D.: Noel Kkelehan

DIE WERTUNG