Halle

Hartwall Arena

Motto

True Fantasy

Moderation

Jaana Pelkonen & Mikko Leppilampi

Wertung

Televoting – Die ersten zehn Titel bekommen jeweils die Punkte 12-10-8-7…3-2-1

Teilnehmer

42 Länder (Finale 24 / Semifinale 28)

Sieger

Serbien

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

Finale – 12. Mai 2007
17. Serbien
Serbien Marija Šerifović Molitva
268 1.
18. Ukraine
Ukraine Verka Serduchka Dancing lashal tumbai
235 2.
15. Russland
Russland Serebro Song #1
207 3.
22. Türkei
Türkei Kenan Doğulu Shake It Up Shekerim
163 4.
21. Bulgarien
Bulgarien Elitsa & Stoyan Water (Voda)
157 5.
3. Belarus
Belarus Koldun Work Your Magic
145 6.
10. Griechenland
Griechenland Sarbel Yassou Maria
139 7.
23. Armenien
Armenien Hayko Anytime You Need
138 8.
8. Ungarn
Ungarn Magdi Rúzsa Unsubstantial Blues
128 9.
24. Moldau
Moldau Natalia Barbu Fight
109 10.
1. Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina Marija Sestić Rijeka bez imena
106 11.
11. Georgien
Georgien Sopho Visionary Dream
97 12.
20. Rumänien
Rumänien Todomondo Liubi, Liubi, I Love You
84 13.
6. EJR Mazedonien
EJR Mazedonien Karolina Gočeva Mojot svet
66 14.
7. Slowenien
Slowenien Alenka Gotar Cvet z juga
57 15.
14. Lettland
Lettland Bonaparti.lv Questa notte
54 16.
5. Finnland
Finnland Hanna Pakarinen Leave Me Alone
53 17.
12. Schweden
Schweden The Ark The Worrying Kind
51 18.
16. Deutschland
Deutschland Roger Cicero Frauen regier'n die Welt
49 19.
2. Spanien
Spanien D'Nash I Love You Mi Vida
43 20.
9. Litauen
Litauen The 4Fun Love Or Leave
28 21.
13. Frankreich
Frankreich Les Fatals Picards L'amour à la française
19 22.
19. Vereinigtes Königreich
Vereinigtes Königreich Scooch Flying My Flag (For You)
19 23.
4. Irland
Irland Dervish They Can't Stop The Spring
5 24.
Semifinale – 10. Mai 2007
17. Portugal
Portugal Sabrina Dança comigo
88 11.
21. Andorra
Andorra Anonymous Salvem el món
80 12.
5. Island
Island Eirikur Hauksson Valentine Lost
77 13.
14. Polen
Polen The Jet Set Time To Party
75 14.
3. Zypern
Zypern Evridiki Comme ci, comme ça
65 15.
13. Kroatien
Kroatien Dragonfly & Dado Topić Vjerujem u ljubav
54 16.
11. Albanien
Albanien Frederik Ndoci Hear My Plea
49 17.
19. Norwegen
Norwegen Guri Schanke Ven a bailar conmigo
48 18.
12. Dänemark
Dänemark DQ Drama Queen
45 19.
8. Schweiz
Schweiz DJ Bobo Vampires Are Alive
40 20.
10. Niederlande
Niederlande Edsilia Rombley On Top of The World
38 21.
23. Estland
Estland Gerli Padar Partners In Crime
33 22.
2. Israel
Israel Teapacks Push The Button
17 24.
20. Malta
Malta Olivia Lewis Vertigo
15 25.
24. Belgien
Belgien The KGMs Love Power
14 26.
27. Österreich
Österreich Eric Papilaya Get A Life – Get Alive
4 27.
16. Tschechische Republik
Tschechische Republik Kabát Malá dáma
1 28.
7. Montenegro
Montenegro Stevan Faddy Ajde kroči
7 33.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN  

Mit 42 Teilnehmern war der 52. ESC in der finnischen Hauptstadt Helsinki der bislang größte in der ESC-Geschichte. Neu dabei waren Georgien, Tschechien und erstmals Serbien und Montenegro als eigenständige Staaten, Ungarn kehrte zurück.

Die Bühne in der Hartwall Arena war angelehnt an eine Kantele, ein traditionelles finnisches Instrument.

Das Voting eröffnete: der Weihnachtsmann! 

Jaana Pelkonen und Mikko Leppilampi führten sympathisch, routiniert und mumorvoll durch die beiden Shows.

Jaana Pelkonen begann zunächst als Radiomoderatorin und bekam dann im finnischen Fernsehen eine Game-Show. Sie moderierte in der Folge viele weitere Shows, seit 2005 auch zweimal die finnische Vorentscheidung. Nebenbei studierte sie Politikwissenschaften und ist Abgeordnete des finnischen Parlaments.

Mikko Leppilampi hat einen Abschluss als Schauspieler an der finnischen Theaterakademie. Er wurde bereits mit dem Filmpreis „Jussi“ als bester Schauspieler ausgezeichnet. Am finnischen Stadttheater spielte er auch schon in Musicals, da er auch Sänger ist. Seit 2018 moderiert er bei einem Privatsender die finnische Variante von „Gefragt-gejagt“.  

FAZIT

Der ESC 2007 hat eindeutig gezeigt: Glaube kann nicht nur Berge versetzen, sondern auch Punkte und Zuschauerstimmen sammeln. Marija Šerifović aus Serbien hat ihre Chance zu 100 Prozent genutzt und einen absolut einwandfreien professionellen Auftritt geboten.

Sicherlich hätten viele gerne DJ Bobo  für die Schweiz oder Guri Schanke  für Norwegen im Finale gesehen – doch das, was da aus dem Osten kam, war weitgehend modern, progressiv, einfallsreich, stimmenstark, toll inszeniert, ansteckend und hatte auch gute Chancen, als europäischer Chartstürmer zu brillieren.

Speziell erwähnt seien hier: Bulgarien, Georgien, Serbien, Belarus und Ungarn. Das, was aus dem Westen kam, war nett, kommerziell, größtenteils nach einer „Da-kann-man-nichts-mit-verkehrt-machen“-Masche geknüpft und hübsch anzusehen – aber schon 99 Mal da gewesen!  

Das stellte auch Peter Urban nach dem Auftritt von Edsilia Rombley fest, als er sie als eine Vertreterin der alten ESC-Generation bezeichnete. Aerobic-Blutsauger, nordischer Drag-Queen-Glamour, belgische James-Brown-Parodien und kühle, blonde Pseudo-Latinas sind hübsch anzusehen, aber es fehlte einfach der gewisse Funke.  

Einfache, aber stimmenstarke Nummern mit wenigen effektiven Mitteln in Szene gesetzt – das war in diesem Jahr das Erfolgsrezept einiger Osteuropäer im Halbfinale! 

Man nehme … – ein serbisches Pummelchen, dessen Stimme auch der Putzfrau im Green Room noch durchs Rückenmark geht und stelle ihr die Anwärterinnen für „Serbia’s Next Top Model“ mit 1980er-Jahre-Fönwelle in den Rücken;

– die georgische Verkörperung von Chris de Burgh’s  „Lady In Red“ – durchaus auch vermarktbar als „Eimear Quinn digitally remastered“ – und gebe ihrer Stimme einen supermodernen ausgefallenen Song;

– einen talentierten Weißrussen mit unverkennbarem Siegeswillen in der Ausstrahlung und ihm auf den Leib geschnittenem James-Bond-Flair ;

– eine Bushaltestelle und eine einsame, im Second-Hand-Stil gekleidete Ungarin, deren Herzschmerz die Stimmbänder zur Höchstform auflaufen lässt, garniert mit einem absolut ausgefallenen Musikstil;

– ein junges bulgarisches Duett, das Stimme obendrein auch noch mit Instrumenten zu kombinieren weiß. 

Und Deutschland? Stimme, einfaches Arrangement, ausgefallener Rhythmus  – eigentlich war doch „ALLES ROGER“! Unser Roger Cicero:  der ungekrönte „Chanteur de Charme“ des ESC 2007 – was für ein Auftritt – „Guess Who Rules The World?“, wie er im zweiten Teil des Auftritts in Englisch sang. Vielleicht hätte er die Auflösung des Rätsels auch noch auf Angelsächsisch verraten sollen, und die Frauen Europas hätten zu seinen Gunsten zu den Hörern gegriffen…? Auch, wenn es nur der 19. Platz war – Germany’s Latest Top Singer war ohne Zweifel einer der Exotic Diamonds of the ESC Night 2007. 

Wer vermisst bitte noch die alte Sprachregelung – man nehme sich einfach die Sprache(n), die in einen Song am besten hineinpasst/-passen. 

Zu einer echten Schmalz-Schunkel-Nummer gehört einfach die italienische Amore, Französisch war auch im Mittelmeerraum immer schon beliebt, und dass es nicht immer „Echtes Europäisch“ sein muss, sondern auch mal etwas bruchstückhaft Erfundenes, um vorne dabei zu sein, ist nicht erst Frau Serduchka eingefallen – das hat unser Stefan schon 2000 in Stockholm bewiesen!  Aber Frau Serduchka wurde damit Zweite!

Alles in allem ist  2007 sehr angenehm aufgefallen, dass im Gegensatz zu den vergangenen Jahren nicht mehr so sehr auf Bühnenshows in Form von Tanz, Bondage, Stelzengang oder Part-Time-Striptease gesetzt wurde. Viele gute Stimmen haben den Wettbewerb bereichert. 

Zum ersten Mal seit Eimear Quinn 1996 hatte wieder eine klassische Ballade das Rennen gemacht – und das dort, wo vor einem Jahr noch Monsterfiguren knallharten Rock zeigten! Das beweist, wie wandlungsfähig und vielseitig die alte Dame Eurovision Song Contest auch nach 52 Geburtstagen immer noch ist. Alle, die über den Sieg von Lordi 2006 noch den Kopf geschüttelt haben, müssten ja dieses Jahr richtig gejubelt haben, da endlich wieder „echte Qualität“ das Rennen gemacht hat.

Dennoch gab es nach dem doch sehr ost-lastigen Resultat (nur zwei klassische ESC-Länder unter den Top Ten) verstärkte Diskussionen über das Wertungssystem mit Nachbarschaftsvoting und Diasporavoting, was schließlich zu einem erneut veränderten System für 2008 führte.  

 DIE TEILNEHMENDEN – SEMIFINALE

1.

Bosnien & Herzegowina
Marija Sestić „Rijeka bez imena“
M.: Aleksandra Milutinović,
Goran Kovacić
T.: A. Milutinović
2.

Spanien

D'Nash "I Love You Mi Vida"
M.: Thomas G:son,
Andreas Rickstrand
T.: Antonio Sanchez,
Rebeca
3.

Belarus

Koldun ”Work Your Magic“
M.: Philipp Kirkorov
T.: Karen Kavaleryan
4.

Irland

Dervish „They Can’t Stop
The Spring“
M.: Tommy Moran
T.: John Waters
5.
Finnland
Hanna Pakarinen
„Leave Me Alone“
M.: Martti Vuorinen,
Miikka Huttunen
T.: M. Vuorinen,
H. Pakarinen
T.: Andrey Kostiugo
6.

EJR Mazedonien
Karolina Gočeva "Mojot svet"
M.: Grigor Koprov
T.: Ognen Nedelkovski
7.
Slowenien

Alenka Gotar "Cvet z juga"
M. & T.:
Andrej Babić,
Lisa Green
8.
Ungarn

Magdi Rúzsa „Unsubstantial Blues“
M.: Magdi Rúzsa
T.: Imre Mózsik
9.
LItauen

The 4Fun "Love Or Leave"
M. & T.:
Julija Ritciku
10.

Griechenland
Sarbel „Yassou Maria“

M. & T.:
Marcus Englöf,
Alex Papakonstantinou
11.

Georgien

Sopho "Visionary Dream"
M.: Beka Japaridze
T.: Bibi Kvachadze
12.

Schweden

The Ark "The Worrying Kind"
M. & T.:
Ola Salo
13.

Frankreich


Les Fatals Picards
"L'amour à la française"
M.: Ivan Callot
T.: I.Callot,
Laurent Honel,
Paul Léger
14.
Lettland

Bonaparti.lv "Questa notte"
M.: Kjell Jennstig
T.: K. Jennstig,
Torbjörn Wassenius,
Francesca Russo
15.Russland

Serebro „Song #1“
M.: Maxim Fadeev
T.: Daniil Babichev
16.

Deutschland

Roger Cicero „Frauen regier’n
die Welt“
M.: Matthias Hass
T.: Frank Ramond
17.Serbien

Marija Šerifović „Molitva“
M.: Vladimir Graić
T.: Sasa Milosević Mare
18.

Ukraine

Verka Serduchka „Dancing lasha tumbai“
M. & T.:
Andrei Danilko
19.
Ver. Königreich

Scooch „Flying My Flag
(For You)“
M. & T.:
Russ Spencer,
Morten Schjolin,
Andrew Hill,
Paul Tarry
20.Rumänien

Todomondo
„Liubi, Liubi, I Love You“
M.: Marian Dogdan
Tascan (Mister M)
T.: Todomondo
21.Bulgarien

Elitsa & Stoyan „Water (Voda)“
M.: E. Todorova.
S. Yankulov
T.: E. Todorova
22.Türkei

Kenan Doğulu „Shake It Up Shekerim“
M. & T.:
Kenan Doğulu
23.Armenien

Hayko „Anytime You Need“
M. Hayko
T.: Karen Kavaleryan
24.Moldau

Natalia Barbu „Fight“
M.: Alexandr Brasovean
T.: Elena Buga

 DIE TEILNEHMENDEN – SEMIFINALE

1.Bulgarien

Elitsa & Stoyan „Water (Voda)“
MM.: E. Todorova.
S. Yankulov
T.: E. Todorova
2.

Israel

Teapacks "Push The Button"
M.: Danail Milev
T.: Elina Gavrilova
3.

Zypern

Evridiki ”Comme ci, comme ça“
M.: Dimitris Korgialas
T.: Poseidonas Yannopoulos
4.
Belarus

Koldun ”Work Your Magic“
M.: Philipp Kirkorov
T.: Karen Kavaleryan
5.
Island
Eirikur Hauksson
„Valentine Lost“
M. Sveinn Runar Sigurdsson
T.: Peter Fenner
6.

Georgien

Sopho "Visionary Dream"
M.: Beka Japaridze
T.: Bibi Kvachadze
7.
Montenegro

Stevan Faddy "Ajde kroči"
M.: Slaven Knezović
T.: Milan Perić
8.
Schweiz

DJ Bobo „Vampires Are Alive“
M. & T.:
René Baumann,
Axel Breitung
9.
Moldau

Natalia Barbu „Fight“
M.: Alexandr Brasovean
T.: Elena Buga
10.

Niederlande
Edsilia Rombley „On Top Of The World“

M.: Tjeerd P. Oosterhuis
T.: Tj.Oosterhuis,
Martin Gijzemijter,
Maarten ten Hove
11.

Albanien

Frederik Noci "Hear My Plea"
M.: Adrian Hila
T.: Pandi Laço
12.

Dänemark

DQ "Drama Queen"
M.: Peter Andersen,
Simon Munk
T.: P. Andersen,
Claus Cristensen
13.

Kroatien


Dragonfly & Dado Topić
"Vjerujem u ljubav"
M. & T.:
Dado Topić
14.
Polen

The Jet Set "Time To Party"
M. Mateusz Kresan
T.: Kamil Varen,
David Junior Serame
15. Serbien

Marija Šerifović
M.: Vladimir Graić
T.: Sasa Milosević Mare
16.
Tschechische Republik

Kabát "Malá dáma"
M. & T.:
Kabát
17.Portugal

Sabrina „Dança comigo“
M.: Emanuel
T.: Emanuel,
Tó Maria Vinhas
18.

EJR Mazedonien

Karolina Gočeva „Mojot svet“
M.: Grigor Koprov
T.: Ognen Nedelkovski
19.
Norwegen

Guri Schanke „Flying My Flag
(For You)“
M. & T.:
Thomas G:son
20.Malta

Olivia Lewis
„Vertigo“
M.: Philip Vella
T.: Gerald James Borg
21.Andorra

Anonymous „Salvem el món“
M. & T.:
Anonymous
22.Ungarn

Magdi Rúzsa „Unsubstantial Blues“
M.: Magdi Rúzsa
T.: Imre Mózsik
23.Estland

Gerli Padar „Partners In Crime“
M.: Hendrik Sal-Saller
T.: Berit Veiber
24.Belgien

The KGMs „Love Power“
M.: Paul Curtiz
T.: P. Curtiz, Wakas Ashiq
25.Slowenien

Alenka Gotar „Cvet z juga“
M. & T.:
Andrej Babić
26.Türkei

Kenan Doğulu „Shake It Up Shekerim“
M. & T.:
Kenan Doğulu
27.Österreich

Eric Papilaya „Get A Life – Get Alive“
M.: Greg Usek
T.: Austin Howard
28.Lettland

Bonaparti.lv „Questa notte“
M.: Kjell Jennstig
T.: K. Jennstig,
Torbjörn Wassenius,
Francesca Russo

DIE WERTUNG – FINALE

DIE WERTUNG – SEMIFINALE

AUS DER PRESSE

Musik siegt über schrille Shows Beim Grand Prix triumphiert eine serbische Ballade (Hannes Gamillscheg – Frankfurter Rundschau, Montag 14.05.2007) Eine große Stimme und eine gefühlvolle Ballade haben beim Eurovision Grand Prix die Musik wieder in den Vordergrund gerückt und Serbien zum ersten Sieg in der Geschichte des Schlagerfestivals verholfen. Für den deutschen Vertreter Roger Cicero gab es in Helsinki trotz starkem Auftritt nichts zu gewinnen. Die serbische Ballade verhinderte, dass der Song Contest nach dem Vorjahressieg der finnischen Lordi-Monster erneut zur Freakshow ausartete. Denn schon auf Platz zwei landete die schrillste Nummer des Abends, die Blödel-Attacke der ukrainischen Drag-Tante Verka auf alle Regeln des guten Geschmacks. Auf Drei nochmals Osteuropa, nochmals ganz anders: die russischen Techno-Popgirls Serebro zelebrierten kalt, rhythmisch, lasziv die modernste Nummer des Abends. Auch die Ungarin Magdi Rusza mit schnörkellosem Blues und pulsierende Ethno-Pop-Rhythmen aus Bulgarien, Georgien und Mazedonien überzeugten die Juroren. Er habe noch nie einen derart vielschichtigen Wettbewerb erlebt, konstatierte der britische Musikjournalist Richard Crane, der den Eurovisions-Zirkus seit 40 Jahren verfolgt. Dazu trug auch der deutsche Beitrag bei. Swing war ein Novum beim Grand Prix, doch der ungewöhnliche Stil kam nicht an. Seine Band nahm das Debakel mit Humor: „Bei deutschsprachiger Swingmusik sind wir Nummer eins, und Dritter im Westen, das ist doch super“, sagte Schlagzeuger Matthias Meusel auf der After-Party. „Wir wussten, dass es so enden kann“, meinte Saxophonist Stephan Abel, „doch der eine oder andere Zwölfer wäre schon schön gewesen.“ Jetzt betrachten die westlichen Vertreter die Charts und sehen sich „abgewatscht“, wie der bereits im Halbfinale gescheiterte DJ Bobo aus der Schweiz ausdrückte. Von Platz ein bis 16 dominierten die Länder vom Balkan und der ehemaligen Sowjetunion. Im dritten Drittel der Tabelle drängt sich der Westen. Ostmafia? Stimmenschacher? Schon fordern die schlimm abgestraften Skandinavier Regeländerungen, und die Schweizer denken gar ans Ausbleiben. Crane hält davon gar nichts: „Sollen sich die westlichen Länder eben ein bisschen anstrengen!“ 40 Jahre hätten sie den Contest beherrscht und dann nicht verstanden, dass sich mit der Teilnahme neuer Länder der Musikgeschmack ändere. Freundschaftsvoten hat es beim Grand Prix immer gegeben. Doch die Seilschaften sind nicht so stark, dass sie nicht von einem überzeugenden Beitrag gebrochen werden können. Im Vorjahr dominierten die Osteuropäer im Teilnehmerfeld auch, und dennoch siegten Lordi aus Finnland mit Rekordpunktzahl.




Der Osten wählt sich zum Triumph (Jörn Wöbse – Der Tagesspiegel, 14.05.2007) (…) Der „Kampf der Kulturen“ hat seine Demarkationslinie ziemlich genau dort, wo vor einigen Jahren noch der Eiserne Vorhang hing. Die Länder der ehemaligen Sowjetunion und Ex-Jugoslawiens schusterten sich hemmungslos gegenseitig die Höchstwertungen zu, so offensichtlich, dass es sogar dem geduldigen Saalpublikum zu viel wurde. Es skandierte den Namen des erwartbar höchstbewerteten Landes schon vor der offiziellen Bekanntgabe durch die TV-Präsentatoren, und es lag immer richtig: „12 points go to…Serbia“. Natürlich ist das keine „Verschwörung des Ostens“ gegen den Westen. Die Theorien, hier sei die einzige Gelegenheit für den „hungrigen“ Osten, es dem „satten“ Westen einmal so richtig zu zeigen, sind verständlich, aber überzogen. Es ist eben so, man kennt sich, mag sich, hat einen ähnlichen Musikgeschmack, und natürlich ist man ein guter Nachbar. Derlei Allianzen sind hierzulande nicht mehr vorhanden. Vorhersehbar ist, dass es bei dieser Ausgangslage nur noch Sieger aus der Ostregion geben wird, der Westen ist chancenlos. Diese Aussichten lassen bei den ESC-Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen. Schließlich könne es sein, dass die westlichen Länder – und größten Beitragszahler – die Lust verlieren, sich für den Contest überhaupt noch zu engagieren. Das wäre dann wohl das Ende des Wettbewerbs. Es muss also etwas geschehen, und es wird etwas geschehen, im übernächsten Wettbewerbsjahr. Von geänderten Halbfinal-Regularien ist die Rede, von „gerechten“ Abstimmungsmechanismen. Wie das genau aussehen soll, weiß noch keiner, ebenso wenig, ob solche Eingriffe tatsächlich die Machenschaften der landsmannschaftlichen Seilschaften verhindern können. Wie auch immer: Um den ESC nicht zu einer Posse mit Musik verkommen zu lassen, sondern wieder zu einer musikalischen Leistungsschau mit zumindest annähernd gleichen Chancen für alle zu machen, ist Initiative nötig. Italien ist schon lange nicht mehr dabei, Frankreich, England und Irland haben nur Alibi-Teilnehmer entsandt und damit ihre Interesselosigkeit dokumentiert. Die Einschaltquoten der Fernsehshow sind in Deutschland drastisch gesunken – und das lag nicht an der Qualität der Inszenierung, die ließ nichts zu wünschen übrig. Wenn man genau hingehört hat, gab es auch außergewöhnliche musikalische Qualität zu entdecken, wie beispielsweise beim „Unsubstantial Blues“ der ungarischen Sängerin Magdi Rusza. Im übrigen musste sich für unseren swingenden Roger Cicero auch niemand schämen, er hätte eine bessere Platzierung verdient gehabt.
Belgrad, wir kommen! Marija Serifovic gewinnt überlegen für Serbien den Grand Prix (Peter-Philipp Schmitt – Frankfurter Allgemeine, Montag 14.05.2007) Die Hornbrille war zu ihrem Markenzeichen geworden. In entscheidenden Momenten aber trug sie das dunkle Gestell oft nicht – so bei der vorletzten Generalprobe. Die Serbin Marija Serifovic war bei jedem ihrer vielen Auftritte herausragend, und doch schien selbst ihr bei der Probe am Freitag etwa zu fehlen. Also kam die 22-jährige zum Finale am Samstagabend wieder mit dem auffälligen Accessoire auf die große Bühne der Hartwall Arena in Helsinki, um es – noch während sie sang, auf dem Höhepunkt ihres dramatischen Liedes „Moltiva“ – wieder verschwinden zu lassen. (…) Warum die Brille? Das hatten viele Anhänger der kleinen Serbin gefragt. Damit kann man doch keinen Grand Prix gewinnen! Marija Serifovic konnte. Nicht allein die Brille machte sie zu etwas Besonderem zwischen all den langbeinigen Teilnehmerinnen aus den anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks. Mutig hatte die junge Frau in den Tagen von Helsinki über ihre Homosexualität gesprochen – und von ihrem tiefen Glauben an Gott. „Ich bete vor meinen Auftritten“, sagte sie zum wiederholten Mal nach ihrem Sieg. Ihm habe sie für den heutigen Triumph zu danken – und ihrer Mama, die sie nach Finnland begleitet hatte und die ebenfalls eine dicke Hornbrille trägt. Ihren Sieg indes hat sie vor allem ihrer unvergleichlichen Stimme, ihrem gefühlvollen Vortrag und einer – leicht – gewagten Inszenierung auf der Bühne zu verdanken, die allerdings ohne große Effekthascherei auskam. (…) Wie schon 2006 in der griechischen Hauptstadt zeigte sich auch dieses Mal wieder, dass erfolgreiche Halbfinalisten auch im Finale vordere Plätze einnehmen.(…)Nur Griechenland und die Türkei schafften es unter die besten 16, alle anderen westeuropäischen Staaten liegen abgeschlagen auf den Plätzen 17 bis 24. (…) Damit schneiden die Geberländer in Folge verheerend ab. Ihre Beiträge waren insgesamt dem Abend nicht angemessen, besonders unangebracht erschien vielen Grand-Prix-Beobachtern der Eurotrash-Song „Flying the flag“ der britischen Popgruppe Scooch. Die „Flugbegleiter“ aus dem Königreich hatten sich nach nur einem Song vor Jahren schon wegen Erfolglosigkeit getrennt, nun fanden sie sich eigens für Helsinki wieder zusammen. Auf dem letzten Platz landete ausgerechnet Irland, der siebenfache Rekordgewinner des Grand Prix. Damit hatte sich der „Ostblock“ auf der ganzen Linie durchgesetzt. Was viele Grand-Prix-Fans schon nach dem Halbfinale befürchtet hatten, spiegelt auch das Finale von Helsinki wider. Wären die vier großen Geldgeber der Veranstaltung nicht stets im Finale gesetzt, der ESC würde wohl seit Jahren schon mehr oder weniger ohne sie stattfinden. Natürlich hat Marija Serifovics „Gebet“ aus den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Höchstwertungen bekommen, doch auch Frankreich, Deutschland, Schweden, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz vergaben acht, zehn und sogar zwölf Punkte an Serbien. Aussagen wie „Der Song war einfach zu gut für den Grand Prix“ oder „Die im Osten haben halt keine Ahnung von guter Musik – egal, ob Swing oder Country“ helfen kaum weiter. Es handelt sich um einen Wettbewerb, wer gewinnen will, muss sich an den Besten messen. Die diesjährigen Bestplatzierten beweisen, dass man durchaus immer wieder an die Spitze des Contest gelangen kann. Die Ukraine, Russland, Griechenland und die Türkei waren in den vergangenen Jahren meist ganz oben anzutreffen. Für Serbien war es der erste Grand Prix als unabhängiges Land. Was ihr Sieg für die junge Nation bedeute? Marija Serifovic, die als die herausragendste Sängerin ihrer Heimat gilt, fehlten auf die Frage zunächst die Worte, „Wir sind bereit für Europa“, sagte sie schließlich. (…) Ihr Land wird ihr zu Füßen liegen, das ist gewiss. Auch das zeichnet den Osten vor dem Westen aus: eine Begeisterung, eine fast kindliche Freude an diesem Wettbewerb, der den Weg nach Europa zu ebnen scheint. „Europe, we love you!“, riefen etwa die Bulgaren Elitsa Todorova und Stoyan Yankoulov. „Europe, we are coming!“ , hieß es an vielen Stellen in Helsinki, wenn man auf Fans aus ehemaligen Ostblockländern traf. Tatsächlich aber sind die entfesselten Nationen schon längst in einem Europa angekommen, das viel weiter reicht, als es die Gründer des ESC je zu träumen gewagt hatten. (…) Heute wird die EBU kaum der Anmeldungen Herr. Schon klopfen weitere Länder an die Tür des ESC – unter ihnen Tunesien. Zu hoffen ist, dass die im Halbfinale schon ausgeschiedenen Länder aus dem alten Europa, die Schweiz, Österreich, Andorra, Dänemark, die Niederlande und Island, ihre Drohung nicht wahrmachen, sich aus dem Contest zurückzuziehen, und 2008 in Belgrad antreten werden.

Das Gesetz der Masse Warum beim Eurovision Song Contest die osteuropäischen Beiträge dominieren Die Telefondemokratie passt nicht mehr jedem (Hans Hoff – Süddeutsche Zeitung, Montag 14.05.2007) (…) Will man das Positive am ESC herausstellen, der diesmal in Helsinki ausgetragen wurde, dann lässt sich anführen, dass eine schöne Lektion in Sachen Europakunde erteilt wurde. So mancher, der sich durch die zähe Übertragung und die dramaturgisch komplett vergeigte Stimmabgabe gequält hat, weiß jetzt, dass Länder wie Moldau, Armenien und Andorra gar nicht so fern liegen und dass es bei europäischen Wettbewerben hilft, wenn man als Land vor nicht allzu langer Zeit in viele Einzelstaaten aufgeteilt wurde, sich deshalb vielleicht sehr verbunden fühlt, was durch üppige Punktevergabe bezeugt werden kann. Im Fall von Deutschland blieben Miteinander und Punkte ziemlich aus, auch wenn das sonst zurückhaltende Österreich Roger Cicero sieben Zähler schenkte. Wer davon spricht, der Osten habe die Sache unter sich ausgemacht, liegt einerseits richtig, andererseits auch falsch. Natürlich rangieren auf den vorderen Plätzen nur Länder, die vom Westen gerne in Richtung Sonnenaufgang verortet werden. Das aber ist nicht so sehr auf eine konzertierte Aktion zurückzuführen, sondern auf das Gesetz der Masse. So gibt es nun mal in der Gegend Europas, die von den Entscheidungskritikern dem Osten zugeschlagen wird, mehr Staaten als im Westen, und diese pflegen in musikalischer Hinsicht so etwas wie den kleinen Grenzverkehr. Hat man solches kürzlich an Spanien und Frankreich beobachtet? Ganz leicht lässt sich die Verschwörungstheorie beim Sieger entkräften. Der serbische Titel „Molitva“ erhielt acht Punkte aus Deutschland, zwölf aus der Schweiz und acht aus den Niederlanden, aus Ländern also, die kaum unter Verdacht sehen, zum Ostblock zu zählen. Immerhin zeigte die Debatte, dass der Westen inzwischen unter schweren eurovisionsmusikalischen Minderwertigkeitskomplexen leidet, was insbesondere angesichts der indiskutablen Beiträge von Irland und England wenig verwundert. Wer Botschafter schickt, die schon vor 20 Jahren keine Chance gehabt hätten und dazu noch Weisen trällern müssen, die selbst im Musikantenstadl abgelehnt würden, darf sich nicht wundern, ans Ende der Liste durchgereicht zu werden. Und wer sich wundert, dass Roger Ciceros Schlager „Frauen regier’n die Welt“ nur auf den 19. Platz kam, verkennt, dass Swing zwar in Deutschland ein frisch recycelter Trend sein mag, dass das in anderen Ländern die Menschen aber nicht elektrisieren muss. Über das Ergebnis mokierte sich am Sonntag die Oberstudienratsstimme Heinz-Rudolf Kunze. Es gebe da Seilschaften, vermutete er sinister. Ja, ja, es ist schon ein Kreuz mit dieser Telefondemokratie, vor allem, wenn sie nicht die Ergebnisse liefert, die sich die professionellen Besserwisser wünschen. Und wenn das Stimmabgabeverfahren nicht verändert wird, ändert sich daran auch so schnell nichts mehr. Gewonnen hat am Ende ein Lied, das in keinen Trend passte, das man aufgrund der leicht chansonartigen Struktur eher in Frankreich als in Serbien vermutet hätte. Es hat die Science-Fiction-Muppetshow aus der Ukraine ebenso deklassiert wie den kalkulierten Russen-Pop und die Schlagerschüttelei aus der Türkei. Immerhin inspirierte der unerwartete Erfolg den ARD-Kommentator Peter Urban, der immer dann gut war, wenn er sich wortkarg zeigte, kurz vor Schluss zu dem erkenntnisreichen Satz: „Serbien bekommt aus allen Ländern Punkte. Aber das ist typisch für einen Titel, der ganz an der Spitze liegt“. Trotzdem wird „Molitva“ von Marija Serifovic nur ganz kurz in den europäischen Hitparaden auftauchen und dann in Windeseile wieder verschwinden. Schon in einem Monat dürfte kein Hahn nach irgendeinem der insgesamt 24 Endrundentitel mehr krähen, von in den Vorrunden gescheiterten Werken wie etwa „Vampires are alive“ des Schweizer Popverwesers DJ Bobo ganz zu schweigen. Sie alle werden dort landen, wo sie aufgrund des musikalischen Gehaltes hingehören: In der Restmülltonne der europäischen Rundfunkunion.
Frauen regier’n die Welt (Jörg Isringhaus – Rheinische Post, Montag, 14.05.2007) Manchmal hilft nur beten. Marija Serifovic nahm sich das zu Herzen, sang inbrünstig – und ihr Lied „Molitva“ (Gebet) wurde europaweit erhört.(…) „Heute Abend wird ein neues Kapitel für Serbien aufgeschlagen“ frohlockte die 22-Jährige, Belgrad schunkelte im Freudentaumel, und Ministerpräsident Kostunica gratulierte nach in der Nacht. Deutschlands Swing-Export Roger Cicero darf zwar demnächst auch für Angela Merkel singen – aber wohl nur als Trostpflaster (…) Dabei traf Ciceros Titel zumindest thematisch ins Schwarze. Frauenstimmen dominierten den Wettbewerb. Hinter der Siegerin Serifovic, die mit fünf Hintergrund-Sängerinnen auftrat, landete das russische Mädchentrio Serebro mit einer Britney-Spears-Kopie auf Rang drei. Dazwischen platzierte sich Verka Serduchka aus der Ukraine, ein Mann in Frauenkleidern, mit Atombusen und noch größerem Selbstbewusstsein. Der Song völlig sinnfrei, die Kostüme eine irrwitzige Mixtur aus Militäruniform, Pfadfinderkluft und Raumanzug, machte dieser Gaga-Beitrag zumindest Spaß. Und dem Motto des Abends alle Ehre: „True Fantasy“ war der (…) Wettbewerb überschrieben. Fantasie bewiesen die Teilnehmer vor allem darin, sich ihre Melodien in der Pop-Geschichte zusammenzuklauen. Die schwedischen Glam-Rocker The Ark bedienten sich in den 70ern, Dimitri Koldun aus Weißrussland stibitzte sich das Bond-Thema, die spanische Boygroup D’Nash zog die musikalische Quersumme aus Take That und N’Sync, Griechenland und die Türkei recycelten die Pop-Folklore vom vergangenen Contest. Deutscher Swing, dargeboten von einem netten Herrn in weißem Anzug inklusive Hut, wirkte da schon originell wie exotisch. Aber wenigstens um Lichtjahre stilvoller als die irische Gruppe Dervish, die Teestuben-Folk mit Kelly-Family-Kostümen kreuzte. Maskerade steht eben hoch im Kurs seit dem Sieg der finnischen Monsterrocker Lordi. Dass weder Swing, Boygroup-Pop noch Schalmeien-Töne punkten konnten, lag wohl auch am Herkunftsland der Interpreten. (…) Unter Beteiligten wie Zuschauern führte die osteuropäische Dominanz zu Unmut. Laut Björn Erichsen von der zuständigen EBU sei eine Manipulation – bei sechs Millionen abgegebenen Stimmen – unmöglich. Allerdings werde über eine Änderung des Wahlmodus diskutiert. So gebe es den Vorschlag, zwei Halbfinale zu veranstalten oder das Zuschauervotum mit dem Urteil einer Fachjury zu verbinden. Vor allem eines bewegt die Gemüter: Dass das Interesse der Grand-Prix-Fans in Westeuropa abnehmen könnte. In Deutschland sahen mit 7,4 Millionen rund drei Millionen Zuschauer weniger zu als 2006. Was also tun? Ein großes Problem scheint der zwischen Ost und West stark differierende Geschmack zu sein – im Osten liebt man oft einfach strukturierten, treibenden Pop mit folkloristischem Einschlag oder getragene Balladen. Vielleicht sollte man sich darauf einstellen. Und 2008 Dieter Bohlen beauftragen, „Cherie Cherie Lady“ neu zu arrangieren – für einen Kosakenchor. Einen weiblichen Kosakenchor. In Miniröcken.
Mensch… Roger Cicero! (Dieter Lintz – Trierischer Volksfreund, Mittwoch, 16. Mai 2007) Da hätten Sie sich aber wirklich nicht so grämen müssen über Ihren 19. Platz beim Eurovision Song Contest letztes Wochenende. Als externer Gast bei der GUS- und Balkanmeisterschaft unter die ersten 20 zu kommen, ist doch ganz respektabel. Und immerhin hat es ja noch gereicht, um Frankreich und England souverän hinter sich zu lassen. Gut: Dass selbst diese slowenische Opern-Heulboje vor Ihnen lag, könnte ein sensibles Musiker-Gemüt schon in leichte Depressionen treiben. Aber dann müsste sich DJ BoBo stante pede den Rheinfall bei Schaffhausen herunterstürzen, wurde er in der Qualifikation doch gar von Andorra abgehängt. Was da ganz vorne in der Tabelle so abging, haben Sie wahrscheinlich auf die große Entfernung gar nicht mitgekriegt. Also das war schon ganz putzig. Eine kleine rundliche Serbin mit Brille hat gegen all die geklonten Supermodels und Eintänzer gewonnen, einfach nur, weil sie ganz passabel singen konnte. Und auf Platz 2 kam eine ukrainische Kreuzung aus Hella von Sinnen und Rumpelstilzchen – ein undefinierbares Wesen, das mit staksigen Storchenbeinen auf und ab hüpfte und dabei etwas von „sieben, sieben, eins, zwei, drei, tanzen“ radebrechte. Das klang fast ein bisschen wie dermaleinst „Piep piep piep, ich hab euch lieb“. Aber irgendwann ist Schluss mit lustig. Was haben wir armen Deutschen in den letzten Jahren nicht alles aufgeboten: Swing, Soul, Pop, Schlager, Country, gesungen von schrägen Entertainern, blassen Sternchen, tiefgründigen Mädels oder grellen Jungs. Sogar eine Blinde haben wir mal ins Rennen geschickt und einen Analphabeten. Aber dessen „Waddehaddedudeda“ hat auch nix genützt. Dabei bezahlen wir doch den ganzen Scheiß. So langsam ist das Murren nicht mehr zu überhören. Noch ein Debakel kann sich die ARD nicht leisten. Aber was tun? Darauf hoffen, dass Herr Putin sich die ganze UdSSR wieder einverleibt und damit nur noch über eine Stimme verfügt? Unrealistisch. Die 28 Teilrepubliken von Ex-Jugoslawien rausschmeißen? Da bockt die EU. Aber es gäbe ein probates Mittel. Was würde uns beispielsweise daran hindern, Bayern und das Saarland aus der Bundesrepublik auszugliedern? Die einen kann eh keiner leiden, die anderen liegen dem Rest der Republik nur auf der Tasche. Hamburg und Bremen könnten analog zu Monaco in selbstständige Stadtstaaten und Steuerparadiese umgewandelt werden. Die Sachsen sind schon rein sprachlich ein eigenes Volk, die Schleswig-Holsteiner im Grunde halbe Dänen. Macht summa summarum sechs neue Länder und damit 72 Extra-Punkte für den deutschen Vertreter. Das wären für Sie, Herr Cicero, immerhin unterm Strich 121 gewesen und damit ein Plätzchen unter den Top Ten. So gesehen, wirklich kein Grund, Trübsal zu blasen.